Tag Archives: Politik

Die Macht der warmen Worte

Kaum schlägt die Kirchuhr 2012, da weckt die Presse das gemeine Fußvolk aus ihren neujährlichen Träumen und der Hoffnung den Mist des alten Jahres endlich losgeworden zu sein, indem es weiter rumkaut auf einer Geschichte, deren Gesamtheit weiterhin in dem Nebel schwebt, den der konsumgeile und skandaldurstige Einwohner dieses Landes noch zu Silvester durch abbrennen von Böllern und Raketen selbst verursacht hat.

Da wird über das Verhalten eines Bundespräsidenten palavert und rumkritisiert, der für dieses Land ungefähr so relevant ist, wie der unbedingte Anspruch gesamter Bevölkerungsgruppen auf ein iPhone, ohne das das Leben an sich heute offenbar nicht mehr lebenswert ist. Der Mann soll seine ‘Vorbildfunktion’ verletzt haben! VORBILDFUNKTION, das muß diese ominöse Fähigkeit sein, die in der schriftlichen  Leistungsumschreibung für Bundespräsidenten ungefähr auf Seite 324 zu finden sein ist. Diese Funktion wird selten, aber wenn dann in vollen Umfang vom gesamten Volk stets unverhofft verlangt.

Volk, das ist übrigens diese Menschenansammlung, die meist im gleichen Land des Bundespräsidenten zu finden ist und den Alltag damit verbringt Versicherungen zu bescheißen, Gesetzeslücken auszunutzen, das Finanzamt zu hintergehen und Kinder über rote Ampeln zu schleifen. Da liegt es auf der Hand, dass der Bundespräsident NATÜRLICH eine Vorbildfunktion haben muss, damit das eben noch beschriebene Volk sich daran erinnert, dass es an sich ein Haufen Heuchler ist, der stets nach dem nächsten Skandal jagt, über den es sich lohnt in der Mittagspause herzuziehen. Wie lange müssen wir diesen medialen Mist und politischen Kokolores bitte noch ertragen?

OPEDFOY, December 14th, 2011

one picture, each day, for one year: December 14th, 2011

Hessischer Landtag

Vielen Dank für den sehr interessanten Tag im hessischen Landtag! Wer die Gelegenheit hat eine/seine Fraktion im eigenen Landtag zu besuchen, sollte das Angebot auf jeden Fall in Anspruch nehmen, es lohnt sich auf jeden Fall.

Boomerang, die Welt und ihr Finanzsystem

Ein wirklich lohnenswertes Interview über das weltweite Finanzsystem und die verschiedenen Wege, wie Länder mit Geld, Krediten und den daraus entstandenen Situaionen umgehen. Aus der Daily Show, John Steward im Interview mit Michael Lewis, über sein neues Buch ‘Boomerang: Travels In The New Third World‘:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Michael Lewis
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog The Daily Show on Facebook

 

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Exclusive – Michael Lewis Extended Interview Pt. 2
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog The Daily Show on Facebook

 

Buchlink (Amazon): Boomerang: Travels in the New Third World

Frewilligkeit ist Interpretationssache

Freiwilligkeit beim Dienst an der Waffe bedeutet nicht etwa die Wahl zu haben bei einer beliebigen Armee auf der Welt mitwirken zu dürfen, sondern die Wahl zu haben der Bundeswehr beizutreten … oder auch nicht. Beim Dienst in einer fremden Armee hört der Spaß auf, nicht nur weil es quasi ein Tabu ist quasi Fahnenflüchtig zu werden, sondern auch weil andere Länder nicht unbedingt fremde in ihren Armeen haben wollen. Freiwilligkeit ist ein Begriff der so und so ausgelegt werden kann. Und das Thema Dienst bei einem fremden Geheimdienst ist quasi so heikel, das man es besser nichtmal ausspricht. (huch, mist!)

Wer sich die Zeit nimmt und nur für ca. 5 Sekunden jeweils einen Blick auf airforce.com und bundeswehr.de wirft, ahnt vielleicht, wieso die Attraktivität der deutschen Freiwilligenarmee … sagen wir mal noch ‘ausbaufähig’ ist. Bei airforce.com frage ich mich spontan wann das Spiel auf den Markt kommt, bei bundeswehr.de nur welches Amt seinen drögen Furz im Netz vergessen hat. Und wieso gibt es keine vereinigte europäische Freiwilligenarmee? Das Thema pack ich mal auf Wiedervorlage für in 1 Jahr. Ich bin mir sicher bis dahin wird sich nichts geändert haben.

Nachhaltige Nachhaltigkeit

Ich schalte das Radio ein und bin noch etwas verschlafen. Die freundliche Stimme berichtet aus Japan, es geht um Fukushima und Strahlenwerte. Wie üblich wird mit Begriffen um sich geworfen, mit denen der durchschnittliche Bürger nichts anfangen kann und es rasseln Werte mit Vorsilben wie Giga- oder Tera durch den Empfänger. Ich frage mich noch ob das eher schlechte oder gute Werte sind und ob ich mich darum sorgen sollte, aber ich bekomme keine Antworten. Es ist ein leichtes für die Redakteure die Nachrichten so aufzubereiten, dass sie für alle verständlich sind, aber wieso sollte man sich auf dieses Niveau herabgeben eine nicht elitäre und nicht alles verstehende Zielgruppe erreichen zu wollen.

Ich widme mich meinem Frühstück und dann fällt es, das Wort was heute in jeden Beitrag einfach irgendwie mit rein muss. Der Moderator fragt seinen Japan-Reporter, ob der Aufenthalt in diesem Land noch sicher sei und die Stimme aus der Ferne antwotet mit:

Hier in Tokio ist es für uns relativ sicher, man lebt mit der Gefahr und das gibt uns die Möglichkeit eine nachhaltige Berichterstattung zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit! Es war irgendwann Ende 2010 als dieses Wort erneut wie ein Grundgewürz in jeden Beitrag und in jede politische Rede mit rein musste — quasi wie Salz, Salz geht immer! Anfangs war Nachhaltigkeit noch ein Attribut der Umweltschützer, heute ist absolut alles nachhaltig. Ich erinnere mich an einen Bericht über Dienstwagen von Politikern und die Frage wieso Politiker XYZ so einen großen BMW fahren muss und die Antwort war: Die Nachhaltigkeit zur deutschen Marke. Unglaublich!

Ein gutes Gericht lebt davon Gewürze gezielt und in gewissen Maßen einzusetzen. Genauso sollte man mit leeren Worthülsen wie ‘Nachhaltigkeit’ umgehen, denn mehr ist von der ursprünglichen Bedeutung nicht übrig geblieben. Ich wäre allen sehr dankbar, wenn dieser Begriff jetzt wieder für ein paar Jahre ruhen dürfte und genau aus diesem Grund auch auf die Bullshit-Bingo Liste verbannt wird.

Das könnte ihr neuer Vizekanzler werden

Foto: J.P. Morgan Kalender

 

OK zugegeben, man sieht Vizekanzler nicht oft mit einer Waffe auf Bürger zielen und kann parallel die Schlagzeile ‘Hinweise auf Rösler verdichten sich‘ auf Zeit Online lesen, aber eigentlich gibt es sowas wie einen Vizekanzler ja auch nicht. Genau genommen ist die FDP auch nur aus Versehen dort wo sie heute ist, als geduldeter Wurmfortsatz der CDU/CSU in viel zu wichtigen Ämtern, in denen sie Politik macht, die die deutschen Wählerinnen und Wähler eigentlich gar nicht haben woll(t)en. Im Großen und Ganzen haben wir von dieser Person also hoffentlich eher weniger zu befürchten. </Sarkasmus>

Gedanken über: Demokratie

Demokratie ist, wenn nach einer Wahl eine von der Mehrheit als eindeutig nicht gewollte Partei dank Koalition in die Lage versetzt wird u.a. sowohl Außen-, als auch Gesundheitsminister stellen zu dürfen. Das ist nicht fair, das ist Demokratie. (in Deutschland)

Nachrichtenmissverständnis

Die Nachrichtensprecherin bei Fritz meint das Internet in Ägypten wäre gestört. Offenbar erwartet ihr Optimismus einen Retter in der Not, der es repariert und alle Ägypter wieder ans Netz bringt. Vielleicht ist ja nur der Stecker irgendwo beim Staubsaugen aus der Dose gefallen. Leider ist die Realität weitaus tragischer. Etwas später … kurz bevor ich den Grund meiner Kaffeetasse sah, stellte ich mir vor, wie das in Deutschland ablaufen würde.

Und da dachte ich an die übergewichtigen Bürohengste der Bundeswehrkaserne bei mir vorn um die Ecke, wie sie versuchen unsere Machthaber vor den Demonstranten im Inland zu schützen, derweil die Bundeskanzlerin unsere deutschen Internetprovider auffordert Deutschland vom Netz zu trennen. So läuft das nicht, nicht in Deutschland, nein. Bei uns wird das Internet in der Realität noch von erfahrenen technischen Helden betrieben, derweil unsere Politiker das Internet ausdrucken und es auch in 20 Jahren noch nicht einmal ansatzweise verstanden haben werden. So schlecht haben wir es in Deutschland gar nicht, und das ist auch gut so!

Anfänger und Neider gegen den Medienprofi

Als ich heute Abend mein Küchenradio anmachte, lief dort wie mittlerweile fast immer ‘HR Info’, ein Nachrichtensender. Und wie fast immer ging es um einen Politiker, der über einen anderen Politiker jammerte. Nur dieses mal war es irgendwie anders, es mahnten und meckerten auch Politiker der gleichen Partei. Was war passiert?

Offenbar ist wohl unser Verteidigungsminister zu Guttenberg inklusive Ehefrau und Medientross nach Afghanistan gereist. Ja, richtig gelesen! Da ist natürlich klar, wieso die anderen Politiker empört sind. Eine Frau im Kriegsgebiet, also wirklich, das geht doch nicht!

… ach halt Moment, darum geht ja gar nicht; Frauen verstärken unsere Bundeswehr ja nun zum Glück schon  etwas länger. Dann geht es bestimmt darum, dass der zu Guttenberg seine Frau und den Kerner auf Kosten der Steuerzahler mitgenommen hat?! Auch nicht?  Worum denn dann?

Ganz einfach: Herr und Frau zu Guttenberg haben etwas getan, was man in Amerika schon lange draufhat.:Die Medien anständig benutzen um Eigenwerbung zu machen. Da ist es völlig Normal Latenight Talkmaster ins Gepäck zu nehmen und aus Kriegsgebieten zu senden. In den vereinigten Staaten läuft das dann als ‘Support Our Troops’, also quasi parallel als Truppenunterhaltung UND Werbung. Der gemeine Soldat bzw. die Soldatin hat ja nicht so oft die Möglichkeit im Kriegsgebiet auf echte Polit- oder Medienstars zu treffen. Die Wahl des Medienvertreters ist meiner Meinung nach mit Kerner nicht ganz so gelungen, aber aller Anfang ist schwer!

Und so jammern und drucksen die anderen Poltikerleuchten in Berlin also rum, weil sie nicht auf diese einfache, in Deutschland allerdings noch sehr neue aber durchaus uralte Idee gekommen sind. Ob diese Medienbenutzung  und Eigenwerbung der zu Guttenbergs ”gut” oder ”anstössig” ist, mag ich nicht beurteilen, aber der ein oder andere Politiker könnte durchaus auch von einem Medienprofi wie zu Guttenberg noch was lernen, auch wenn es zugegeben nur einen Verteidigungsminister mit diesen Hintergrund gleichzeitig geben kann.

PS: CDU/FDP, wenn man nichts gutes dazu sagen kann, einfach auch mal die Klappe halten. So gute PR wie vom zu Guttenberg gibts so schnell nicht wieder! PPS: Respekt an die Berater im Hintergrund, wer immer ihr auch seid! (Foto: Bundeswehr)

Internetminister? Mach ICH!

Auf Heise:

Jansen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die “Netzpolitik endlich zur Chefsache” zu machen. “Wir brauchen einen Internetminister im Kanzleramt, der die drängenden Probleme mit Nachdruck und aus einem Guss löst.”

Also jetzt mal Butter bei die Fische! Ihr wollt einen Internetminister? NEHMT MICH! Wählt mich nach Berlin ins Kanzleramt, ich mach euch den Internetminister und zwar ungebunden von rechten, linken oder liberalen Parteien und mit langer Internet Erfahrung.  Macht euer Kreuz ungefähr … [ ] … dort! Danke!