Ich frage mich ja wieso viele Verlage jammern, dass die alten Kunden keine Zeitungen mehr kaufen. In einer Zeit, in der man Nachrichten dann haben möchte, wenn man Zeit dafür hat und im Zweifel dann so aktuell wie möglich, ist es Fatal auf den Quark von gestern zu setzen und diesen auf tote Bäume zu drucken.
Sicherlich, damals, als Fernsehen und Internet noch nicht so verbreitet waren, hatten Zeitungen ihren Vorteil. Es gab ja schliesslich nichts anderes, um sich über das zu informieren, was um einen herum passierte. In der jetzigen Zeit, in der quasi jeder Zugriff auf das Internet hat bzw. haben könnte, finde ich Nachrichten von gestern aber einfach nur hoffnungslos veraltet. Eine Zeitung kann niemals aktuell sein und hinkt ihrer Zeit bzw. ihrer Aktualität hinterher.
Gute Zeitungen (sofern man sie dann so noch nennen kann) verstehen es meiner Meinung nach ihre Informationen aktuell im Internet anzubieten oder fungieren als Agentur um Meldungen im Fernsehen zu verbreiten. Ich denke die Leute, die gestern noch eine Zeitung kauften, sind auch heute sicherlich noch gewillt für eine Summe von z.B. 10 Euro ein Internet-Abo zu kaufen um auf aktuelle Nachrichten und vergangene Meldungen zuzugreifen. Und ja, ich meine ein festes Abo, nicht etwa eine Seite zugepflastert mit Werbung, die den Inhalt des Online-Angebots diktiert und vor allem optisch zerstört. Ich finde in gute Online-Zeitungen gehören auch keine zugekauften Dritt-Angebote und Portale, die alles nur aufblähen und die Inhalte abwerten.
Natürlich würden findige Internet-Benutzer die gewollten Informationen auch woanders kostenlos finden, keine Frage. Ich denke aber, dass die Leute, die nach Qualitätsjournalismus suchen und ordentliche Texte lesen möchten, auch die sind, die am Ende ein e-paper abonieren oder einzelne Artikel nachkaufen. Im Web kann man nebenbei zusätzlich all die Zusatzinformationen anbieten, die man in einer Zeitung nicht unterbringen kann: weitere Fotos, mehr Details, bewegte Bilder uvm.
Portale wie arcor.de, web.de usw. mögen im ersten Moment zwar wie Konkurrenten wirken, aber eigentlich sollten genau solche Seiten es sein, die eure Artikel vermarkten und in die Welt tragen. Ich für meinen Teil würde z.B. nie auf die Idee kommen nach aktuellen und inhaltlich brauchbaren Nachrichten auf solchen Seiten zu suchen – damit andere genauso denken, müsst ihr allerdings endlich für Awareness sorgen!
Es ist in meinen Augen der falsche Weg sich darüber zu beklagen, dass die ehemaligen Kunden keine veralteten Informationen auf toten Bäumen mehr kaufen. Es liegt schlicht an euch Verleger von alten Sitten loszulassen und in neue Ufer auzubrechen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Ihr habt die fähigen Leute, die sich in der Kunst der Sprache und des recherchieren verstehen. Spart nicht an ihnen und setzt sie auf die Straße, sondern nutzt deren Möglichkeiten um ein ordentliches Online-Angebot auf die Beine zu stellen. Eine Investition in die eigene Mannschaft und deren Ausbildung in eine Online-Welt wird sich auf kurz oder lang eher auszahlen als Heute das Internet und deren Möglichkeiten zu verpassen. Also hört auf zu jammern! Der Zug ist fast schon abgefahren – und er wird nicht wieder zurück kommen.