Im Frankfuter Samstag-Morgen kann man sie noch finden, diese hessischen Originale. Diese Spezies, die mit den Jahren immer scheuer wurde und den Rest der Woche entweder auf Arbeit oder im Garten des eigenen Einfamilienhauses verbringt. Es ist Ostersamstag, die Geschäfte werden für einen Tag die Türen öffnen und erst wieder am Dienstag für den Publikumsverkehr erreichbar sein. Es spricht alles dafür die sehr frühen Stunden für einen Einkauf zu benutzen, bevor die breite Masse sich aus dem Bett quält und die Geschäfte verstopft, in dem Wahn einen Hamsterkauf erledigen zu müssen, um die nächsten 2 Tage ohne Einkauf überleben zu können.
Auf meiner Einkaufsliste stehen nur Dinge, die ich nicht wirklich brauche – woanders würde man es als Luxusartikel bezeichnen. Mein erstes Ziel ist Michis Schokoatelier in der Nähe vom Zoo. Ostern ohne etwas Schokolade und süßer Sünde, das geht nicht! Michi ist heute sichtlich im Streß, ich sehe ihn hinten hastig durch die Produktion rennen. Er trägt wie immer seine braune Mütze und produziert vermutlich noch schnell die letzten Osterbestellungen. Mein Weg führt mich weiter auf die Zeil, ich brauche Honig. Auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache steht der Stand von Klaus Dieter Kletter. Ich wähle zielstrebig ein Glas Honig aus, er ist gelblich und fest und trägt die Aufschrift “Wiese”.
Ich hebe das Glas an, zeig es dem Verkäufer und eröffne mit einem fröhlichen “Gude!”. Der nette Mann meint “ein Glas klebricher von der Mischobstwiese. Das Macht fünf Märker!”. Ich reiche ihm einen 10 Euro Schein, der er mit einen 5 Euro Schein und wen Worten “Bedankt und hier noch ihr Sammelbild im Tausch” wechselt. Er füllt die freie Stelle an der eben noch mein Glas Honig stand mit einem neuen Glas auf und grinst. Weiter gehts zu Douglas. Wie immer habe ich vergessen wie der Duft heißt, den ich anriechen wollte.
Ein junges Mädl fragt mich was ich suche. Ich lächle und sage ihr das ich es nicht mehr weiß, sie antwortet grinsend mit: “Mer waas es net, me munkelts blohs, es werd noch geforschd aber auch des hammer da!” und wir einigen uns darauf das ich etwas anderes kaufe als geplant war. Ich laufe nach Hause, genieße die Sonne und die ruhigen Stunden bevor die Stadt anfängt hastig und hässlich zu werden.
Ein typischer Samstag Morgen in Frankfurt. Da gibt es sie noch, diese hessischen Originale und Momente der anderen Art, inmitten dieser großen und doch sehr kleinen Stadt.
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