Category Archives: Sozialkritik

Wo kein Wille, da kein Weg

Konfuzius sagt: Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.

Dieser Artikel hat bei mir nur Kopfschütteln und “wtf?” verursacht. In was für einer Welt leben wir mittlerweile? NYTimes: Young, Obese and Getting Weight-Loss Surgery

OPEDFOY, November 5th, 2011

one picture, each day, for one year: November 5th, 2011

Eure Rente!

An der Stelle, an der von Anfang Frühling bis Ende Sommer die fliegende Obsthändlerin mit ihren Früchten aus der Region stand, sitzt jetzt er da und erinnert uns an unsere Rente, von der wir vermutlich nichts mehr sehen werden.

Sozialer Fresszwang

Wer nichts isst, muss draußen bleiben! So, oder so ähnlich sieht es aus, das ungeschriebene Gesetz zur Geselligkeit. Kein Vereins-, Politik- oder Geschäftstreffen ohne Fresszwang oder anschließendem Networking Event mit ‘Fingerfood’. Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als man sich noch treffen konnte ohne zu essen  – man saß zusammen, unterhielt sich und hatte Spaß.

Ich bin durchaus kein Gegner von gutem Essen, ganz im Gegenteil, und ja, man kann sicherlich noch auf Events erscheinen und dann nichts essen, gerät dann aber in den Zwang sich ständig erklären zu müssen, wobei “Ich habe vorhin erst gegessen” nicht als gültig anerkannt wird.  Ist essen womöglich das neue rauchen?

Ich fragte einen ehemaligen Kollegen warum soziale Veranstaltungen heute immer mit dem Zwang zu  essen oder mit Besäufnissen verbunden sind und seine Antwort war Original:

  • ‘Ja was soll man denn sonst zusammen machen? Sich die ganze Zeit drücken und liebhaben?’

Erschreckend, essen als Verhaltenstherapie. Das erinnerte mich an das Experiment 5 Minuten lang einfach  Nichts zu tun. Habt ihr das mal probiert? Viele Leute scheitern daran und ungefähr genauso muß sich das mit dem Zwang zu essen verhalten. Wenn ihr mich demnächst auf einer Veranstaltung seht, ganz ohne Essen oder Alkohol in der Hand, dann ist alles in Ordnung, mir geht es gut und es gibt keinen Grund zu Sorge. Ich bin einfach nur normal und dafür brauche ich mich nicht zu erklären oder zu entschuldigen.

Frankfurt fails at Earth Hour

Stell dir vor die Welt will Strom sparen und keiner macht mit. Es war erst Heute, als zehntausende Menschen gegen Atomkraft demonstrierten, um zu zeigen, dass wir alle dringend umdenken sollten. Auf dem Weg weg von Strom, der durch Atomkraft erzeugt wird, ist es aber auch an uns allen wieder bewusster mit Energie, Ressourcen und unserer Umwelt umzugehen. Unsere Politik nutzt in diesem Sinne momentan ganz gern das Wort Nachhaltigkeit, überhaupt ist ja heute alles viel nachhaltiger, nur halt nicht Frankfurt.

Der WWF rief am 26 März 2011 die Earth Hour aus. Um 20:30 Uhr lokaler Zeit sollten weltweit so viele Lichter wie möglich ausgehen, damit man das auch sieht, auf den Satellitenbildern. Vertreter der Stadt und Parteien zwitscherten ihre Begeisterung dafür in den letzten Tagen in die Fernsehkameras und warben so für das Projekt – immerhin würden auch die typischen Wahrzeichen der Stadt daran teilnehmen!

Heute Abend war nun diese Earth Hour. Auf der Suche nach DEM Unterschied musste man schon sehr genau hinschauen, zumindest wenn man nicht grad am Römer oder auf eine der Main-Brücken stand. An der Skyline war der Unterschied nicht sichtbar: Der Commerzbank-Tower erstrahlte im hellen gelb, der Messeturm streckte seine beleuchtete Kappe in den Himmel, am Marriot und Radisson strahlten wie eh und je die Buchstaben und der Frankfurter Fernsehturm verpestete das Frankfurter Lichtbild mit seinem Magenta, ganz im Sinne der Betreiberfirma.

Auch in den Fenstern der Frankfurter Mitbürger war insgesamt kein Unterschied erkennbar – mag wohl daran gelegen habe, daß die deutsche Nationalmannschaft heute dieses wichtige EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan zu bestreiten hatte. Diese schweren unvorhersagbaren und spannenden Spiele gegen erstklassige Fußballnationen darf man natürlich nicht verpassen. Mit Green-IT, ökologischer Nachhaltigkeit und der Umwelt hat man es in Frankfurt nicht wirklich. Wie sehr den Frankfurter Unternehmen und Bürgern die Umwelt am Herzen liegt, konnte man selten so deutlicher wie am heutigen Abend erkennen.

Und am Ende fand ich doch noch eine fehlende Beleuchtung: Die neue Börse erstrahlte nicht wie üblich blau. Da die Börse aber mittlerweile in Eschborn oder New York residiert, wusste ich nicht ob das jetzt Aktion oder schon Normalität war. Liebes Frankfurt… Brot kann schimmeln, was kannst du?

Das Samstagsphänomen

Ich mag es nicht am Freitag oder Samstag Lebensmittel einkaufen zu gehen. Allerdings lässt sich das kaum vermeiden, wenn man frisches Obst oder Gemüse verarbeiten will, also muss man da durch. Warum ich es nicht mag? Es hat nichts mit den Menschenmassen zu tun, die sich wie jedes Wochenende durch die Einkaufsmärkte quälen und drängen und auch nichts mit den langen Schlangen an den Kassen – denn gerade in diesen Ansammlungen von verschiedensten Leuten passieren die tollsten Sachen. Das ist Realsatire live und zwar kostenlos!

Warum ich es nicht mag ist ganz einfach: Die Menschen sind gereizt und genervt. Offenbar scheint es irgendwo ein Gesetz zu geben in dem steht, dass Paare und Familien am Wochenende zusammen einkaufen gehen müssen, nicht ohne sich lauthals und ohne Scham vor allen anderen Leuten zu streiten. Samstags Nachmittags trifft man am Kühlregal quasi immer ein Pärchen, bei dem ER der Meinung ist er müsse bestimmen was eingekauft wird und SIE deshalb über 3 Regale schreit “Könntest du mich das entscheiden lassen? ICH GEHE SCHLIESSLICH IMMER EINKAUFEN! WARUM MUSST DU EIGENTLICH IMMER SO EIN ARSCHLOCH SEIN?”

Anfangs dachte ich ja noch … ach die schonwieder. Aber wenn man genau hinschaut sind das immer andere Leute, quasi beliebig auswechselbar. Sind das diese Fernbeziehungen, die am Wochenende vor die nackte Tatsache der Zweisamkeit stossen und auf einmal miteinander auskommen müssen? Ich finde irgendwer bei 3Sat oder Arte sollte darüber eine 45Minuten Doku drehen und sie ‘Showdown im Wochenend-Suppermarkt’ nennen. Habt ihr das gelesen ihr Fernsehmacher?

Und auf einmal war ich alt

Der Prozess des ALT werdens ist ein Prozess, den man nicht unmittelbar mitbekommt. Und dann kommt dieser Tag, da wird einem das sehr bewusst. Nicht, weil dich grundsätzlich alle Siezen oder man dir über die Straße helfen will, sondern weil du im Umgang mit jungen Menschen etwas vergessen hast.

Sehr früh am Morgen begrüße ich einen Raum voller Jugendlicher von “Jugend forscht”, einen Raum voller Stille und einer überpünktlichen Gruppe. Bevor der Vortrag beginnt, versuche ich die Gruppe etwas aufzuwärmen, das Eis quasi zu brechen und frage sie, ob jemand von ihnen einen Kaffee möchte.

Ich werde irritiert bis verständnislos von vielen Augen angeschaut, bis der Betreuuer meint –  “Kinder trinken für gewöhnlich keinen Kaffee”. DAS ist der Moment, an dem dir bewusst wird: Gestern hast du da noch gesessen, heute bist du alt. Zum Glück sind dann doch noch 3 Jungs mitgekommen, zur Kaffeemaschine – vermutlich aus Mitleid gegenüber mir, dem alten Mann.

Im Zweifel erstmal Panik verbreiten!

So schreibt die Fachzeitschrift für Sicherheitsfragen Financial Times Deutschland:

Das neue Datenleck bei Facebook lässt nur einen Schluss zu: Das soziale Onlinenetzwerk ist aufgrund seiner Größe und der Vielzahl eingebundener Drittanbieter nicht in der Lage, die Privatsphäre seiner Nutzer zuverlässig zu schützen.

Es liegt mir zwar sehr fern Facebook hier in Schutz zu nehmen, doch im Prinzip sind die Benutzer selbst schuld. Jeder, der bei Facebook Dienste von “dritten” Anbietern in Anspruch nimmt oder irgendwelche nervigen Apps intern benutzt, der muss vorher bestätigen, dass er seine Daten an diesen fremden Anbieter übermittelt. Und mal unter uns Pfarrerstöchter: Wer glaubt, dass all die FarmVille, Glücksnuss oder “Wer hat den längsten” Spruch-Generatoren ihre Dienste auf auf Good-Will Basis abieten, weil sie Millionen Facebook-Usern einen guten Gefallen tun wollen, hat vermutlich den Schuss nicht gehört.

Umsonst ist nichts im Leben. Auf Facebook bezahlt man mit seinen persönlich Daten. So war es schon immer, so wird es immer bleiben. Wem das auch heute im Jahr 2010 im Internetzeitalter noch nicht klar ist, der hat – so hart das auch klingt – im Internet nichts zu suchen. Die Zeit in der man naiv durch die bunte Online Welt gesurft ist, ist eindeutig vorbei und zum Prozess des Erwachsenwerdens der Benutzer gehört es nun auch mal die Vertragsbedingungen der Webdienste zu lesen. Leider habe ich die Befürchtung, dass der großteil der Benutzer immer dümmer wird, anstatt etwas dazuzulernen und vermutlich werden wir auch in 10 Jahren noch solche oder ähnliche Artikel in der Presse wiederfinden.

Frankfurter Oberschicht, oder die, die sich dafür halten

Samstag habe ich gelernt, dass die Frankfurter Oberschicht offenbar Bus fährt. Und zwar mit dem Bus vom Ghetto-Einkaufszentrum “Nordwestzentrum” ins Sozialviertel “Rödelheim”, denn da unterhält man sich im Bus gern mal über die 1 Klasse im ICE.

Mittelalte dicke Frau mit einer offenbar sehr heissen Pizza und einen Behälter mit anderen Essen auf dem Schoss:

“Hat man da wenigstens Ruhe vor dem Pöbel?”

Sehr sehr dünner Mann mit Brille:

“Nein, das gleiche wie in der zweiten Klasse, aber sie servieren Kaffee am Platz”

Alles etwas anders hier bei uns in Frankfurt! Hier gehören die Ghetto-Snobs eindeutig nicht mehr zum Pöbel!

Nur bei grün, der Kinder wegen!

Was mich ja immer mehr fasziniert ist die Existenz von Fussgängerampeln. Derweil man die in London einfach komplett ignoriert, ist das in Frankfurt leicht anders. Hier ziert man Ampeln durch ein “Nur bei grün, der Kinder wegen!” Schild. Da sieht man also als Erwachsener ein paar Kinder, die sich der Ampel nähern und bleibt bei ROT stehen, wie es sich gehört. Ja sogar andere Erwachsene sehen es ein und warten entnervt auf grün.

Und da stehen wir nun, wie die Deppen, derweil die Kinder fröhlich und völlig natürlich bei ROT über die Straße laufen. So ist das halt in Frankfurt. Ampeln sind nur noch für die vorbildlichen Alten da, die ihre Kinder vermutlich nicht antiauthoritär erziehen. Und just als ich darüber nachdenke wieso wir den Verkehr der überfüllten Großstadtstraßen überhaupt noch für Fussgänger künstlich anhalten, sehe ich den wahren Grund, weshalb diese Fussgängerampeln noch existieren: Rentner. Alles wird anders, man muss sich nur dran gewöhnen!

Am Ende sind es alles Menschen

Und sofern es auch nur ansatzweise die Chance gibt, dass die Menschen bis 2050 unabhängig von ihrer Religion lernen sich gegenseitig zu respektieren, sollte es sowas von egal sein ob die Person neben einem Christ, Moslem oder Atheist ist. Zugegeben, die Chance ist weitaus höher bis 2050 einen globalen Krieg im Namen einer Religion zu erleben. Aber man wird ja wohl noch auf die Vernunft hoffen dürfen.