Eine sehr gute Freundin arbeitet seit vielen Jahren für einen amerikanischen Arbeitgeber. Kurz nach ihrer Anstellung dort meinte sie zu mir, sie fühle sich dort manchmal wie in einer Sekte. Man lebt sehr frei, hat viel Spaß, viele Offenheiten und bekommt trotzdem unterschwellig alles irgendwie vorgeschrieben. Schnell lernt man, welche Werte der Firma wichtig sind und, dass die Integrität zum Brötchengeber über alles steht. Schließlich gibt es Shareholder und weit gestreuten Besitz, der gegen harte Dollar an der Börse gehandelt wird. Jede noch so unbedachte Äußerung oder öffentliche Information zur falschen Zeit könnte aus Millionären in kürzester Zeit Tellerwäscher machen und ganze Firmen inkl. Zulieferer würden auf einmal vom Erdboden verschwinden, einfach so.

So hangelt man sich im Berufsleben von einem Non-disclosure Agreement zum nächsten. Morgens in der Kaffeeküche teilt sich die Belegschaft in einzelne Inseln von Menschen, die etwas wissen und andere einzelne Personen, die noch ein Stückchen mehr Wissen und ein Schicksal tragen müssen, über das sie sich mit den Anderen nicht austauschen können bzw. dürfen. Und warum bricht niemand aus? Anders als in vielen deutschen Firmen versteht man in Amerikanischen, dass die hochgehaltenen Werte tatsächlich einen Wert tragen, den es zu verteidigen gilt. Nicht, weil man wie die blinde Kuh nach dem Brainwashing oder Blitzdingsen hirnlos ist, sondern, weil man tatsächlich verstanden hat, dass die ganzen Wissensinseln, alle zusammen, abhängig von der Integrität jedes Einzelnen sind.

Ich erinnere mich gut daran was Parolen und Zahlen wert waren… noch vor ein paar Monaten, bei einer (deutschen) Firma mit Beamtenmentalität. Flurfunk und interne Kappelei waren dort oft wichtiger als das Wohl oder die Werte der Muttergesellschaft. Heute an anderer Stelle ist alles anders. Arbeiten für den weltbesten Arbeitgeber macht Spaß und ich bin stolz darauf ein Teil der Geschichte dieser Firma zu sein. Manchmal kann die Realität und der weltweite Markt inklusive seinen Krisen einen aber derb’ erdrücken. Ich hoffe, dass ich solche Momente nicht allzu oft erleben muss.

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