Haben Sie etwa keinen Euro über?

Da bin ich wieder! Zurück in Frankfurt. 2 Tage Business-Kaspern liegen hinter mir. Wo war ich?

Beachball in Berlin am Hauptbahnhof

Genau, in Berlin! Wie, sieht man nicht? Berlin kannte ich ja noch, aus meiner Vergangenheit. Der ICE dorthin hatte natürlich 25 Minuten Verspätung (in Berlin dann 35), was anderes hatte ich aber auch nicht erwartet. Meine Fahrt endete am Berliner Hauptbahnhof, der sich beim letzten mal als ich dort war, noch Lehrter Stadtbahnhof schimpfte und eine Ruine war. Aber so ist das halt, kaum ist man mal 12 Jahre nicht da, haben sich irgendwie ein paar Dinge geändert.

Nachdem ich dem BVG Fahrkartenautomaten dann endlich ein Ticket entlocken konnte, ging es weiter zum Zoologischen Garten. Mein gebuchtes Hotel sollte das 5 Sterne Palace Hotel direkt neben dem Europa Center sein. Wieso und woher der Schuppen 5 Sterne hat, kann ich allerdings nicht erklären. Am Empfang düdelte eine Frau am Klavier in einer Lautstärke, die es unmöglich machte den Typen an der Rezeption zu verstehen.

Mein Nichtraucherzimmer war winzig klein und wohl erst seit dem Zeitpunkt des Check-Ins eins geworden; die Aschenbecher und der Gestank waren jedenfalls noch drinnen. Im Bad pfiff die Klimaanlage lauter als Fans beim Fussball und die Inneneinrichtung war unter aller Sau, uralt (frühes 1990 würd’ ich schätzen) und pott-hässlich… jeder Ikea Showroom in der Aufbauphase ist geiler eingerichtet! Der Fernseher vom Typ  Röhrenfernseher war nicht zu gebrauchen, weil er durchgängig flackerte, in den Augen weh tat und der Ton alle paar Sekunden aussetzte. Das Frühstück habe ich dann absichtlich sausen lassen: 1. weil ich an anderer Stelle zum Frühstück eingeladen war und 2. weil ich nach der Erfahrung des Zimmers mir nicht auch noch Essen dort antun wollte. Wenn mich jemand fragt: AUF KEINEN FALL DIESES HOTEL BUCHEN. Echt enttäuschend und das Geld nicht wert!

Den Abend verbrachte ich im Strandgut Berlin. Irgendwer kam auf die geniale Idee direkt am Ostbahnhof zwischen den Überresten des ehemaligen sozialistischen Schutzwalls (aka Mauer) und der Spree ein paar Tonnen Sand hinzustreuen und daraus einen Strand mit angeschlossenen Sitzmöglichkeiten und Bars zu bauen. Am Eingang gabs Badeschlappen. Empfangen wurde ich von lauter mir bekannten Herren im Anzug und Schlappen. (sah zum schiessen aus!) Der Spruch “Sie haben aber schöne Schuhe” entwickelte sich zum running Gag. Das Buffet hatte ich dank der ICE Verspätung leider verpasst, wurde aber mit unzähligen  Bieren der Marke “Schöfferhofer Grapefruit” vertröstet. (danke dafür – überraschend lecker das Zeug ;-)

Die Rückfahrt zum Hotel gestaltete sich etwas schwierig, da dort momentan Nachts an den Gleisen der S-Bahn gebaut wird. Dank meiner Ortskenntnis war das aber kein Problem, zum Glück! Was ist geblieben an Eindrücken aus Berlin?

Die Stadt ist völlig überlaufen von Menschen, unruhig und laut – zumindest an den Plätzen, an denen ich war. Wer Berlin schon länger nicht mehr gesehen hat, wird einige Orte nicht wieder erkennen und an anderen Ecken feststellen, dass sich quasi nichts geändert hat. Es ist merkwürdig, wenn man direkt hinter der ehemaligen Mauer den Abend verbringt und am nächsten Tag einfach so durch das Brandenburger Tor läuft um in ein Tagungszentrum (axica) mitten auf dem Pariser Platz zu verschwinden. Vor noch ein paar Jahren war das alles nicht möglich bzw. sogar undenkbar. Am Ostbahnhof gastierte der Cirque du Soleil, dessen gigantischer Aufbau ziemlich beeindruckend war. Auf den  S-Bahnhöfen wird man ständig nach nicht mehr benötigten Tickets angebettelt, obwohl diese Bettler die Tickets offenbar nicht zum fahren benutzen.

Den Abschluss Berlins machte übrigens ein Mädl, was mich fragte ob ich ihr aushelfen könne, da sie ihre EC Karte zu Hause vergessen hat weshalb sie nicht mehr zurück kommt. Ich verneinte dies was sie völlig überraschte und zu folgender Frage brachte: “Haben Sie etwa keinen Euro über?”. Ich grinste, erinnerte mich an die “Haste ma ne Mark?” Bettler von früher und entschwand mit dem Sprinter zurück nach Frankfurt.

Leave a Comment

NOTE - You can use these HTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>