Es ist mittlerweile einige Jahre her als ich für die Firma anfing zu arbeiten, bei der ich auch heute noch wirke. Mit der Zeit änderte sich natürlich einiges, vor allem aber ist man gutes ein Stück erwachsender geworden.

Als ich dort anfing war die erste Herausforderung meinen Arbeitsplatz-PC einzurichten und ihm einen passenden Namen zu geben – also jetzt nicht damit ich ihn ansprechen kann, sondern damit er im Netz identifiziert werden konnte. Es war der Anfang des 21ten Jahrhunderts, es war die Internet-Zeit und die Firma war voller technik-begeisterter Menschen. Ich entschied mich für das übliche <os-typ>-<nachname> Muster für meinen Arbeitsplatz PC. (ux-bundy)

Ich war Angestellter im Network Operating Center. Zu meinen Aufgaben gehörte es unter anderem auch neue Server ans Netz zu bringen und am laufen zu halten. Neue Server brauchten immer einen Namen! Die Taufe -oder besser gesagt Namensgebung- war meist demjenigen überlassen, der den Server aufsetzte. Die Rollen waren noch nicht so verteilt und Prozesse waren noch nicht Bestandteil des täglichen Lebens – so war es normal, dass auch die Entwickler von Applikationen selbst die Server aufsetzten und sie mit eigenen Namen auslieferten.

Das Spiel ging jahrelang gut, alle waren glücklich. Das Internet wuchs, die Rechenzentren platzten aus allen Nähten, ständig wurden neue Server gekauft und Online gebracht. Unser Hardware-Lieferant verdiente sich eine goldene Nase und wir sammelten die Taler dafür ein Kunden online zu bringen oder Platz in unserem Rechenzentrum anzubieten. Bis es irgendwann einfach zu viel wurde.

Wir waren mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem uns Administratoren keine Namen mehr für Server einfielen. Die üblichen Namen wie Hermes, Frodo, Gandalf, Thor, Bilbo, Odin, Idefix, Defiant, Neptun und Pluto (usw.) waren längst vergeben. Sämtliche Star-Trek Figuren waren verbraucht, Bier- und Whiskey-Sorten mussten wegen teils unausschreibbaren Namen ausfallen als irgendwer auf die Idee kam den Producern und sonstigen kreativen Mitarbeitern das Namensrecht übergaben. Und dann gings los – Namen wie Alicia, Hewey, Dewey, Bernd, Lisa, Martin, Larissa, Ashley, Humphrey, Curly und Dieter waren auf einmal IN. Schrecklich, wirklich schrecklich!

Die Zeiten änderten sich. Die Hülle des kleinen StartUps war längt geplatzt. Das kleine Unternehmen wurde aufgefressen von einem Riesen mit blauen Lettern und wir saßen irgendwo zwischen Frankfurt und Wiesbaden, als eines Tages unser Chef rein kam und die hier bis heute legendäre Frage stellte: “Dieter, was macht eigentlich Dieter?”

Volltreffer! Tja, wer war eigentlich Dieter? 5 Leute+1 Chef schauten leer in den Raum und überlegten was der Server Dieter macht. Es war der Moment, als beschlossen wurde, daß die wilde Namensgebung endlich ein Ende haben muss um wieder den Überblick zu bekommen.

Nach dem Dieter Vorfall stand eines Fest: Server heißen ab sofort wie der darauf laufende Dienst um Klarheit zu schaffen und zu behalten. Andere vorgeschlagene Namenskonventionen, in denen noch der Raumname und Inventarnummern untergebracht werden sollten, wurden abgeschmettert. Bis heute ist das so geblieben – lediglich noch eine Ortsbezeichnung und eine laufende Nummer sind dazu gekommen… schließlich hat man ja Rechenzentren überall in Deutschland und Redundanz spielt an jeder Ecke eine Rolle. Heute haben die Server keine schönen Namen mehr, mail01-fra, ns8-fra oder maildatenbank04-bln klingen einfach nicht halb so cool wie ‘metis’ oder ‘borg’, aber zumindest weiß man, was darauf läuft. Und die Moral von der Geschicht? Vergesse die Namen deiner Kinder nicht. ;-)

Zeiten ändern sich – und manchmal ist das gut so!

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